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Südkorea verschärft Kryptowährungsverwahrung mit Echtzeit-Bilanzprüfungen

Baek Sun-hee schlug ein Gesetz vor, das Krypto-Anbieter verpflichtet, tatsächliche Bestände in Echtzeit mit internen Büchern abzugleichen und interne Kontrollen zu stärken. Ziel ist es, Nutzer durch automatische Transaktionssperren bei Auffälligkeiten besser zu schützen und Betreiber bei Nachlässigkeit haftbar zu machen.
Eine südkoreanische Parlamentarierin hat einen Gesetzesentwurf eingebracht, der Kryptowährungsbörsen verpflichtet, tatsächliche Vermögenswerte in Echtzeit mit den Salden ihrer internen Bücher zu synchronisieren. Dadurch soll eine Lücke im regulatorischen Rahmen des Landes geschlossen werden, die durch jüngste Betriebsstörungen sichtbar wurde.

Baek Sun-hee von der Partei Rebuilding Korea reichte den Entwurf am 4. Juni ein. Die Maßnahme fordert, dass Anbieter von virtuellen Vermögenswerten automatisierte Systeme einsetzen, die Saldoabweichungen oder verdächtige Transfers erkennen und melden können. Betroffene Konten sollen daraufhin automatisch eingeschränkt oder gesperrt werden, um weitere Geldbewegungen zu verhindern.

Südkorea verlangt bereits, dass Börsen Kundengelder von operativen Vermögenswerten trennen, Versicherungen abschließen und ungewöhnliche Transaktionsmuster überwachen. Das bestehende Gesetz schreibt allerdings keine explizite Echtzeit-Abstimmung zwischen tatsächlichem Bestand und interner Buchhaltung vor – ein Unterschied, der bei Systemausfällen oder Fehlern entscheidend ist. Technisch könnte ein Betreiber die aktuellen Vorschriften erfüllen, während Kundengelder aufgrund von Datenbankverzögerungen oder Softwareproblemen unzugänglich bleiben.

Baeks Änderung würde auch die operative Governance stärken. Börsen müssten formelle interne Kontrollstandards etablieren, zuständige Compliance-Beauftragte ernennen und würden direkt haftbar gemacht für Nutzungsverluste infolge von Nachlässigkeit, einschließlich Systemausfällen oder Programmierfehlern. Diese Regelung kehrt die Beweislast um: Betreiber müssen nachweisen, dass der Verlust unvermeidbar war, statt dass Kunden Nachlässigkeit belegen müssen.

„Dieser Vorfall war kein einfacher Computerfehler“, so Baek mit Blick auf eine kürzliche Betriebsstörung an einer Börse. „Die internen Kontroll- und Vermögensverifikationssysteme des Kryptomarkts sind nicht ausreichend institutionalisiert.“

Das Timing spiegelt Frustration über das langsame Wachstum der institutionellen Reife im koreanischen Kryptomarkt wider. Die Regulierer verschärfen seit drei Jahren die Verwahrungs- und Berichtspflichten, doch Betriebsstörungen treten weiter auf. Dieses Gesetz zielt auf präventive Durchsetzung ab – Systeme sollen Probleme automatisch erkennen statt auf manuelle Prüfungen oder Kundenbeschwerden angewiesen zu sein.

Die Compliance-Kosten der Branche werden steigen. Der Aufbau redundanter Echtzeit-Abstimmungssysteme und automatisierter Sperrmechanismen erfordert erhebliche Investitionen. Kleine Börsen könnten Schwierigkeiten haben, diese Kosten zu tragen. Große Anbieter mit banküblicher Infrastruktur dürften die Umsetzung leichter meistern, müssen aber ebenfalls ihre internen Kontrollen dokumentieren und Compliance-Personal einstellen.

Der Entwurf ist noch nicht im Ausschuss. Eine Verabschiedung wird erwartet, ist aber nicht sicher. Während der parlamentarischen Debatte wird auf Rückmeldungen der Branche sowie mögliche Ausnahmen für kleinere Anbieter oder gestreckte Fristen geachtet, die das endgültige Regelwerk abschwächen könnten.