Galaxy Digital von Mike Novogratz und der Krypto-Verwahrer BitGo stehen sich endlich vor einem Gericht in Delaware gegenüber. Es geht um eine Auflösungsgebühr in Höhe von 100 Millionen US-Dollar, die aus der abgebrochenen, 1,2 Milliarden US-Dollar schweren Übernahme von BitGo durch Galaxy im Jahr 2022 resultiert. Bloomberg berichtete über den Prozessauftakt, der den Höhepunkt einer erbitterten zweijährigen juristischen Fehde markiert und die fragile Natur von Krypto-M&A im letzten Marktzyklus offenbart.
Der Streit dreht sich um ein einfaches, aber heftig umstrittenes Detail: geprüfte Finanzberichte. Galaxy trat im August 2022 von der Vereinbarung zurück und behauptete, BitGo habe es versäumt, bis zur vereinbarten Frist ordnungsgemäße, geprüfte Finanzdaten für 2021 vorzulegen. BitGo schlug fast umgehend zurück, warf Galaxy Reue des Käufers („buyer's remorse“) vor und forderte die Auflösungsgebühr von 100 Millionen US-Dollar. BitGo argumentiert, Galaxy habe die Verzögerung bei der Rechnungslegung als bequemen Ausweg genutzt, nachdem der Zusammenbruch von Terra-Luna Milliarden aus dem Markt gespült und Galaxys eigene Bilanz schwer getroffen hatte.
Ein Blick auf den zeitlichen Ablauf: Als Galaxy im Mai 2021 die Übernahme von BitGo per Handschlag besiegelte, raste der Kryptomarkt auf seinen Höchststand zu. Bis Mitte 2022 hatte sich das makroökonomische Umfeld jedoch drastisch verschlechtert. Galaxy meldete allein im zweiten Quartal 2022 einen Nettoverlust von 554 Millionen US-Dollar. Eine milliardenschwere Übernahme in bar und Aktien unter diesen Liquiditätsbedingungen durchzusetzen, wäre den Aktionären nur schwer zu vermitteln gewesen.
Richterin Kathaleen McCormick vom Delaware Chancery Court, bekannt dafür, dass sie Elon Musk zum Kauf von Twitter zwang, leitet das Verfahren. Dies ist nicht nur ein Streit um eine Anzahlung, sondern ein Test dafür, wie streng Krypto-M&A-Verträge durchgesetzt werden, wenn sich die Marktbedingungen verschlechtern. Sollte das Gericht feststellen, dass die Verzögerung der Berichterstattung durch BitGo eine wesentliche Vertragsverletzung darstellte, kommt Galaxy ungeschoren davon. Wenn nicht, wird Novogratz einen sehr teuren Scheck ausstellen müssen.
Trader sollten in den kommenden Wochen die Gerichtsakten auf Enthüllungen über die interne Kommunikation von Galaxy während des Marktcrashs 2022 hin beobachten. Jeder Beweis dafür, dass Galaxy bereits vor Ablauf der Finanzfrist einen Rückzieher plante, könnte das Urteil beeinflussen. Eine Entscheidung wird im Laufe dieses Jahres erwartet, und das Ergebnis wird einen wichtigen Präzedenzfall für künftige institutionelle Krypto-M&A-Bewertungen und Vertragsstrukturen schaffen.
Galaxy und BitGo vor Gericht: Streit um geplatzten 100-Mio.-Deal
Galaxy Digital und BitGo stehen sich wegen einer geforderten Auflösungsgebühr von 100 Millionen US-Dollar vor Gericht gegenüber, nachdem Galaxy die Übernahme von BitGo im Jahr 2022 abgebrochen hatte.