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Venus Protocol startet Kreditvergabe mit tokenisierten Aktien auf BNB Chain

Venus Protocol hat auf der BNB Chain einen Kreditdienst gestartet, bei dem tokenisierte US-Aktien als Sicherheit für Stablecoin-Darlehen dienen. Nutzer können so Liquidität freisetzen, ohne ihre Aktienpositionen verkaufen zu müssen.
Venus Protocol hat auf der BNB Chain einen neuen Markt eröffnet, der es Nutzern erlaubt, Kredite gegen tokenisierte Aktien aufzunehmen, und damit zwei Welten verbindet, die bislang getrennt voneinander operierten.

Am 19. Juni aktivierte das dezentrale Kreditprotokoll offiziell einen Kreditpool, der bStocks – On-Chain-Repräsentationen von in den USA notierten Aktien – als Sicherheit akzeptiert. Nutzer können tokenisierte Positionen von Tesla, Nvidia und SpaceX (über ein Zweckgesellschaftsvehikel) in den Kernpool von Venus einzahlen. Im Gegenzug können sie Stablecoin-Darlehen beziehen, ohne die zugrunde liegenden Aktien zu verkaufen, und bleiben so voll an Kursbewegungen beteiligt, während sie Liquidität freisetzen.

Dies ist das erste Mal in der sechsjährigen Geschichte von Venus, dass das Protokoll tokenisierte Beteiligungspapiere als Sicherheit akzeptiert. Zuvor waren die Kreditmärkte des Protokolls auf native Krypto-Assets wie BTC, ETH und BNB beschränkt.

„Aktien und DeFi existierten bisher als völlig getrennte Märkte, doch heute hat diese Kluft begonnen, sich zu schließen“, erklärte Venus Protocol in einer Mitteilung. „Tokenisierte Aktien sind nun eine aktive Form der Sicherheit innerhalb des DeFi-Ökosystems geworden.“

Der Service läuft rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr – ein starker Kontrast zur traditionellen Aktienleihe, die auf die Börsenhandelszeiten beschränkt ist. Der Zugang ist einfach: Nutzer können sich über Binance Wallet oder Trust Wallet verbinden oder direkt auf PancakeSwap Vermögenswerte tauschen, um bStocks zu erwerben, bevor sie diese bei Venus hinterlegen.

Die Mechanik ist jedem vertraut, der schon eine DeFi-Kreditplattform genutzt hat. Ein Nutzer hinterlegt bStocks und erhält auf Basis eines besicherungsabhängigen Verhältnisses, das je nach Asset variiert, einen entsprechenden Betrag der Venus-Stablecoin vUSD. Fällt der Wert der zugrunde liegenden Aktie unter eine bestimmte Schwelle, kann die Position liquidiert werden – ein Risiko, das Kreditnehmer aktiv steuern müssen.

Für Händler mit großen US-Aktienpositionen bietet das Produkt eine Alternative zu Margin-Konten oder dem Schreiben gedeckter Kaufoptionen. Sie können nun Liquidität erschließen, ohne ein steuerpflichtiges Ereignis auszulösen (in Rechtsordnungen, in denen Staking oder die Beleihung von Aktien nicht als Verkauf gilt), und ohne eine langfristige These etwa zu Nvidia aufgeben zu müssen.

Es bestehen jedoch Risiken. Tokenisierte Aktien bergen ein spezifisches Kontrahentenrisiko – der Emittent muss die Bindung an den realen Aktienkurs durch Überbesicherung und Rücknahmemechanismen aufrechterhalten. Bricht die Brücke zwischen dem On-Chain-Token und der zugrunde liegenden Beteiligung, könnten Kreditnehmer plötzliche Kursablösungen oder eingefrorene Rücknahmen erleiden. Der Kernpool von Venus bringt zudem ein Liquidationsrisiko auf der Darlehensseite mit sich.

Worauf zu achten ist: die Akzeptanzgeschwindigkeit. Sollte der bStock-Markt nennenswerte Liquidität anziehen, könnte dies einen Präzedenzfall schaffen, sodass auch andere DeFi-Protokolle aktiengedeckte Sicherheiten akzeptieren. Ein größeres Liquidationsereignis mit einer volatilen Aktie wie Tesla würde dagegen die Risikoparameter des Protokolls testen. Der nächste entscheidende Datenpunkt ist die Größe des Kreditpools nach der ersten Woche.